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Danny Gatton

„The World’s
greatest unknown Guitar Player“
So wurde er oft bezeichnet, und ich finde,
es ist jetzt, über 10 Jahre nach seinem Tod, endlich an der Zeit, seine
Verdienste entsprechend zu würdigen.
Hier daher ein kleiner Ablauf der Lebensgeschichte Gattons , der
vielleicht damit das Interesse an diesem tollen Musiker wecken möge.
Wenn man Gatton als einen der besten weißen Bluesgitarristen bezeichnet,
ist das so sicher nicht richtig, denn Blues ist nur eines der Elemente
dieses ungeheuer vielseitigen Musikers gewesen.
Gatton wurde am 4. 9. 1945 geboren. Er war musikalisch seit seinem
2.Lebensjahr aktiv und im Alter von 10 bereits ein Virtuose. (Nach
Aussage seiner Lehrer brauchte er nur etwas zu hören und konnte es
gleich nachspielen) Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er 1956.
Seine erste Band waren „The Lancers“(1957). Die Highschool beendete er
1963. 1971 spielte Gatton Bass und Gitarre bei Roy Buchanan.
Erste Plattenveröffentlichung war eine Single im Jahre 1961(Ronnie & The
Offbeats), weitere Singles1966(The Soul Mates), 1974(Danny & The Fat
Boys), 1977(Danny Gatton Band). Die erste LP(CD) erschien 1975 unter
seinem Namen, „American Music“.
Weitere:
1976 „Redneck Jazz“ mit Buddy Emmons, dem berühmten Steel-Gitarristen,
stark Country/Jazz-geprägt.
1978 „Redneck Jazz Explosion“, eine Liveaufnahme, instrumental im
Quartet, auch mit Buddy Emmons.
Anfang der 80er „The Humbler“, eine Live-Aufnahme puren Rockabillys, mit
Robert Gordon, vocals, und seiner Band. Diese Veröffentlichung wurde oft
als beste Rockabilly-Aufnahme aller Zeiten gefeiert, noch bevor die
Stray Cats ein Revival einläuteten.
1984 „Blazing Telecasters“, die umwerfende Livescheibe mit Tom
Principato, wohl die am meisten bluesgetränkte Scheibe Gattons. Beide
Gitarristen liefern ein unglaubliches Feuerwerk meisterlichen Spiels ab.
Für Principato-Fans ohnehin ein Muß und für alle Gatton-Einsteiger
vielleicht die zugänglichste Veröffentlichung.(unter dem Blues-Aspekt)
1987 „Unfinished Business“, ganz
instrumentale Veröffentlichung, mit der Gattons „kleiner Durchbruch“
gelang. Hiernach erschien er immerhin auf dem Cover des „Guitar Players“
Eine bunter Mischung jazziger, bluesiger Stile mit R&B-Ausflügen.
Gattons Variationsreichtum auf der Gitarre kommt hier deutlich zum
Ausdruck. Vom „Guitar Player“ wurde er damals als“World’s Greatest
Unkown Guitar Player“ tituliert.
Ende 80er/Anfang 90er, mit Veröffentlichung 1998 als „Untouchable“, das
Album, das es nie gab. Vor seinem großen Vertrag mit ELEKTRA wurden
diese Stücke aufgenommen, aber nie komplett gemixt. Diese veranlaßte
dann später Gatton’s Mutter, die eine Veröffentlichung 1998
vornahm.(unbedingt anhören – „Gold rush“; „Stumbling“)
Dann die beiden, beim „Major“ ELEKTRA, eingespielten:
1991 „88 Elmira Street“
1993 „Cruisin’ Deuces“, bei beiden werden nahezu alle Stil- und
Spielarten des großartigen Gatton dargestellt. Rock, Rockabilly, Jazz,
Blues. Toll hier die Widmung an Elvis („Sun Medley“) mit Delbert
McClinton an den vocals. Idealer Einstieg!!!!
ELEKTRA verlängerte den Vertrag nicht, weil die erwarteten
Verkaufszahlen ausblieben.
1994 „Relentless“, eine Jazz-Quartett-Aufnahme mit Joey DeFrancesco an
der Hammond B3.
Feurige Jazz-/Blues-Instumentalnummern.
1994 „In Concert 9/9/94“, live aufgenommen gut einen Monat vor seinem
Tod, stellt diese Veröffentlichung ein Vermächtnis dergestalt dar, dass
Gatton auf dieser CD zeigt, welch ungeheures Potential an Ideen ,
Fingerfertigkeit und Gefühl in ihm steckte. Aufgenommen im Trio mit
Bass-und Schlagzeugbegleitung wird hier ein instrumentales Feuerwerk
sondergleichen abgeschossen, daßss einem manchmal der Atem stockt. Auch
hier Blues- und Jazzbetonte Musik. Ein Muß, diese CD!
Nach seinem Tod erschienen dann noch „Portraits“, mit diversen
unveröffentlichten tracks, und wer den Gesamtüberblick als Einstieg
bevorzugt – meine Empfehlung in dieser Hinsicht ist dann „Hot Rod
Guitar: A Danny Gatton Anthology“ auf RHINO (Doppel-CD). Eine
grundsätzlich hervorragende Zusammenstellung!
Dann noch eine Liveaufnahme von 1988, „Funhouse“, instrumental, mit
voller Bläsersection, seine wohl jazzigste Veröffentlichung! (swingt
unglaublich, ähnlich Roomful of Blues)
Dann gibt es noch eine CD mit einer Reihe bekannter Jazzer wie Roy
Hargrove, Joshua Redman, Bobby Watson, „New York Stories, Volume One“.
Darüber hinaus ist er als Sideman bei unzähligen Produktion aufgetaucht,
bei Delbert McClinton(1993), Arlen Roth(1993) Commander Cody(197
Robert Gordon, Deanna Bogart(1990) u.v.a.
Zur Entstehung Gatton’s Gitarrenstil, der sich in einem Umfeld schnellen
Fingerpickings in Kombination mit teils rasend schnellen Single-Notes
bewegt und sich anlehnt an Stile wie von James Burton geprägt,
fortgeführt durch Albert Lee, gemischt mit dem Stil des Pioniers der
elektrischen Jazz-Gitarre, Charlie Christian, und dabei alle möglichen
Bluesstile aufsaugt, das ganze von mitunter merkwürdigen, abrupten
Wechseln begleitet, haben einige Fachleute die Vermutung nahegelegt, daß
es wohl daher rühren soll, dass Gatton eigentlich Linkshänder war, die
Saiten aber nicht veränderte, und auch die Gitarre so spielte wie jeder
Rechtshänder.
Der Klang seiner Gitarre war geprägt durch die überwiegende Nutzung der
Fender Telecaster, wobei Fender mit ihm zusammen ein ganz spezielles
Modell entwickelte. Slidegitarre spielte er üblicherweise immer mit
einer vollen Bierflasche.(vorzugsweise angeblich HEINEKEN-Bier)
Gatton’s Vielseitigkeit stand paradoxerweise seiner kommerziellen
Karriere im Wege, da er nicht einzuordnen war in eine bestimmte
Schublade. Sicherlich führte das dazu, das sich für ihn nie ein
spezifisches Publikum finden ließ. Nur in Fachkreisen bedauerte man es
stets, daß ein solch großes Talent unter diesen Voraussetzungen
unweigerlich verkümmern musste.
Gattons größte Enttäuschung unter diesem Hintergrund schien sicherlich
der Hinauswurf von ELEKTRA, aber nach Aussage seines langjährigen
Bassisten(seit 1976) John Previti war es für ihn eher eine Erleichterung
, dem Erfolgsdruck entronnen zu sein.
Gatton reiste auch nicht sehr gern, sondern widmete sich lieber seiner
Familie auf seiner Farm in Newburg, Maryland: seiner Frau Jan, mit der
er 26 Jahre verheiratet war , seiner 13-jährigen Tochter Holly und
seinen Oldtimer-Autos, an denen er ständig bastelte. Er soll wohl mehr
ein Familienmensch gewesen sein.
Daher schien es auch unbegreiflich, dass er sich am Abend des 4. Oktober
1994, im Alter von 49 Jahren, eine tödliche Schussverletzung in seiner
Garage zufügte. Freunde und Familie konnten am Todestag keine besonderen
Vorkommnisse feststellen, sein Manager hatte auch noch ein gutes
Engagement ausgehandelt, so daß es letztlich wohl viele kleine
Enttäuschungen waren, die mit einem letzten kleinen Tropfen das „Faß zum
Überlaufen“ brachten.
Wolfgang (Maghett)
Quellen:
http://community-2.webtv.net - The
Telemaster Archives
www.dannygatton.com
www.fenderplayersclub.com
http://uts.cc.utexas.edu |